Bootvorgang nach Nvidia Update langsam

nvidia-updateSeit etwa vier Tagen blieb mein System (Windows 8.1) bei jedem Bootvorgang einfach mal für ’ne Minute stehen. Da tat sich nichts mehr. Und immer war der Status der, dass genau zu diesem Zeitpunkt das Symbol von NVIDIA GeForce Experience hinzugekommen war. Danach begeisterte mich diese Pause. Super. Narkolepsie?

Was soll’s. Wie war das gleich nochmal mit dem Analysieren von Bootvorgängen? Da gab’s doch was. Gezwungenermaßen war mal wieder Internetrecherche angesagt. Was man selten braucht, kann man sich einfach nicht merken. Die ersten Suchergebnisse, die ausgeworfen wurden, waren freilich alles begnadete Tools, die gegen Gebühr Unvorstellbares leisten wollten. Installier‘ mich und ich flieg mit dir zum Mond. Also Suche verfeinern. Langsam kreiste ich das Thema ein. Aha! Microsoft Autoruns zeigt mir alle laufenden Prozesse in besserer Darstellung als alles was es gibt. Toll! Brauch ich. Also hab ich mir das gleich mal installiert.

So, jetzt sehe ich die Prozesse besser und bekomme mehr Infos dazu. Aber wo steht, welcher beim Booten hängen bleibt? Nirgends. Oder bin ich blind? Und suche weiter.

Es gibt da ein Programm namens BootRacer, lese ich. Für Endanwender kostenlos. Zeigt einem nach jedem Booten, wie lange es gedauert hat. Klingt gut! Also installier ich mir auch das. Immer wenn der Bootvorgang fast durch ist, erscheint jetzt rechts unten ein kleines Fenster, das die Sekunden anzeigt. Wenn man rechtzeitig mit der Maus darüber fährt, kann man weitere Infos aufrufen, vor allem einen Verlauf, mit dem sich die Bootzeiten vergleichen lassen. Spannendes Ergebnis: Mein letzter Bootvorgang dauerte 114 Sekunden! Bisher waren es immer so um die 30. Hallo, das nervt!

bootracerBootRacer lockt ebenfalls damit, mit mir zum Mond zu fliegen. Eigentlich zum Mars, denn er will sogar Rootkits entfernen können. Ab da kostet es dann aber auch wieder was. Doch mit Bootblockierern sind automatische Analyse- und Reparaturprogramme nach meiner Erfahrung sowieso überfordert. Folglich ließ ich mich in keinster Weise vom Weg abbringen.

Ich erinnerte mich, dass Microsoft selbst so ein Tool hat, mit dem man die Bootphasen protokollieren kann. Aber wie hieß das Ding denn gleich wieder? Erneut die Internetsuche bemüht. Und gefunden: Es heißt Windows Performance Analyzer. Dazu muss man das Windows 8.1 Update ADK installieren. Habt ihr denn keine besseren Bezeichnungen? Bei diesem Abkürzungsgeschwurbel steigt doch jeder Leser aus. Aber alles halb so wild: beim Installieren alle Häkchen bis auf das vom Analyzer wegmachen, Downloadgröße ist dann gut 180 MB, also überschaubar.

Ja un‘ nu‘? Wie geht’s jetzt weiter? Gott, ist das immer mühsam, bis man sich alles zusammengesucht hat. Ist der Analyzer installiert, lässt sich über die Befehlszeile (Windows-r) nun ein Befehl absetzen, den Windows ohne Installation des Analyzers schlichtweg nicht gekannt hätte:

xbootmgr -trace boot -resultpath c:\temp

Mit diesem Befehl wird ein Trace gestartet, der während des Bootens Dateien nach c:\temp schreibt. Zum späteren Analysieren ist nur die etl-Datei von Interesse. Freilich kann man statt c:\temp jedes beliebige andere Ziel angeben. Den Trace muss man übrigens nach dem nächsten abgeschlossenen Booten wieder abschalten mit xbootmgr -remove. Wird nun also der obige lange Befehl ausgeführt, bekommt man eine Sicherheitsabfrage, nach deren Bestätigung unmittelbar der PC neu gestartet wird. Ich ließ nach dem Wiedererwachen des PCs die neuen Meldungsfenster komplett durchlaufen (man könnte das letzte mit Finish abbrechen, aber mein Bootvorgang dauerte fast so lange, wie der Countdown, der in diesem Fenster lief).

win-performance-analyzerAls vorletzten Schritt auf der Zielgeraden gibt man nun unter Start -> Programme/Dateien durchsuchen die ersten Buchstaben von Windows Performance Analyzer ein. Sobald er angezeigt und markiert wird, kann man ihn per Eingabetaste starten. Ich tat das und lud dann im Analyzer über File -> Open… die von xtrace erzeugte Datei „boot_BASE+CSWITCH_1.etl“ im Verzeichnis c:\temp.

Ui. Wieder lauter Neuland. Aber eigentlich gar nicht so schwierig. Links oben zog gleich der Block System Activity meine Aufmerksamkeit auf sich. Lifetime by Process klang vielversprechend. Ein Klick auf System Activity öffnete weitere Blöcke. Unter Services (Doppelklick machen) sah ich neben lauter kurzen Balken gleich einen auffällig langen. Der MouseOver blendete ein Infofenster ein mit dem Hinweis, dass ein Prozess namens NvStreamSvc / NvStreamService.exe glatte 92 Sekunden zum Initialisieren gebraucht hat. Das allein dauerte also drei Mal so lang wie mein bisheriger normaler Bootvorgang. Na Bravo! Und Nv steht ja in der Regel für NVIDIA, ich war wohl auf der richtigen Fährte.

Also Internetrecherche fortsetzen. Was macht das Ding und brauch ich das? Wie kann ich es ggf. entfernen? Gleich die erste Suchanfrage brachte einen Volltreffer und ich bin erneut auf eine der besten Seiten gestoßen, die ich bei solchen Themen kenne: ghacks.net (englischsprachig). In meinem Fall mit dem passenden Artikel über das Entfernen von Teilen der NVIDIA GeForce Experience (oder der ganzen Software). Da heißt es also: Mit Windows-r das Ausführen-Fenster aufrufen, services.msc eintippen und Eingabe-Taste betätigen, im sich öffnenden Windows Service Manager runter zum Nvidia Streamer Service scrollen. Auf die Zeile einen Rechtsklick machen, Anhalten klicken. Dann erneut einen Rechtsklick und unter Allgemein bei Starttyp auf Deaktiviert einstellen.

Nach dem nächten Booten war meine Bootzeit wieder wie gewohnt. Eigentlich besser, nämlich 24 Sekunden. Prima! Hat mich nur 2,5 Stunden Zeit gekostet, das herauszufinden. Super gemacht, Nvidia! Ich hätte es natürlich einfach so lassen und stattdessen etwa 150 Mal booten können. Dann gäbe es diesen Beitrag aber nicht 🙂

Danke fürs Gespräch.

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