com! Das Computer-Magazin heißt jetzt com! professional und wechselt die Zielgruppe

Artikelbild - stilisierte Ansicht des neuen com!-TitelsIch traute gestern meinen Augen kaum: Die von mir seit einigen Jahren abonnierte Computerzeitschrift com! sieht plötzlich völlig anders aus und wendet sich – ohne jegliche Vorankündigung – an „IT-Entscheider und Admins“, so lautet es im Editorial. Bisher bestand die Zielgruppe, der ich angehöre, aus Endanwendern, die auf leicht verständliche Art tiefer in diverse Computerthemen einsteigen möchten und sich für allerlei technische Informationen rund um PCs, Laptops, Netzwerke und vereinzelt auch Smartphones und Tablets interessieren. Im Gegensatz beispielsweise zur Computer BILD, die sich nach meinem Empfinden überwiegend an Einsteiger wendet, um es vorsichtig auszudrücken.

Nun soll ich also IT-Experte sein, der eventuell und unter anderem mit mannshohen Servern und Netzwerken zu tun hat. Nebenbei streift man noch die Welt der Smartphones, um der bisherigen Zielgruppe wenigstens ein bisschen was anzubieten, das sie interessieren könnte.

Warum einfach, wenn dreifach mehr Geld bringt?

Damit nicht genug. Eines meiner beiden Abos, nämlich mein eigenes (das zweite ist verschenkt) kostete bisher 28,80 € ohne DVD-Beilage. Ab sofort soll es – weil zwingend eine DVD beiliegt – schlappe 82,80 € kosten. Also fast eine Verdreifachung. Das Geschenk-Abo mit DVD steigert sich von 59,88 € auf diese 82,80 €.

Wenn man auf die neue Homepage unter com-professional.de schaut, findet sich dort lediglich eine weiße Seite. Zumindest heute, am 04.07.2014 um 14:00 Uhr. Das war auch gestern schon so. In der neuen Zeitschrift wird in klein aber auf den Online-Auftritt hingewiesen und ein Bild davon gezeigt, auf dem durchaus Inhalte zu sehen sind. Eine Photoshop-Montage?

Für mich sieht das alles sehr überstürzt und wenig „professional“ aus. Steht man etwa vor der Insolvenz und will im letzten Moment das Ruder herumreißen?

Die Statistik erklärt so manches

Ich habe mir daraufhin mal die IVW-Zahlen angeschaut. Für Nichteingeweihte: Hierbei handelt es sich um die „Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V.“, bei der man unter anderem Auflagen von Printmedien nachschauen kann. Da steht, dass die „com! Das Computer-Magazin“ für 1/2014 (also erstes Quartal) 106.621 Mal verkauft wurde. Damit ist die durchschnittliche Monatsmenge, über drei Monate verteilt, gemeint. Gedruckt wurde sie 265.798 Mal. An Einzelverkaufsstellen („EV“) wurden 212.595 ausgeliefert und nur 57.549 Stück verkauft. 155.046 ist die Höhe der Remission, als der Retouren. Das bedeutet, der Verlag bekam 155.046 Exemplare von den Endverkaufsstellen zurück und durfte sie einstampfen! 50% ist in der Branche wohl üblich, aber etwa ein Viertel wahrscheinlich halsbrecherisch.

Interessant, dass sich noch nie jemand über die Umweltbelastung in dem Zusammenhang beschwert hat. Denn die überflüssigen Zeitschriften müssen ja mit Unmengen Papier und Druckfarben hergestellt, dann auch noch hin- und hergekarrt und am Schluss wieder vernichtet werden. Aber das nur am Rande.

Zurück bleibt der ratlose Leser

Nun wandelt sich die com! also quasi über Nacht in eine Zeitschrift, die mich nichts mehr angeht. Auf den ersten 35 Seiten wird mir unter anderem die Frage beantwortet, wohin IBM geht, dass Microsoft in die Cloud geht, wohin sich der Markt bewegt, wie ich Drucker, Windows-Dienste und -Prozesse auf Servern administriere, weitere andere Administrator-Themen und all sowas.

Da Herr Scheuerer, Leitender Redakteur, im Editorial ausdrücklich meine Meinung zum Heft wissen will, „Schreiben Sie mir, was Sie davon halten“, habe ich diese also in eine Mail geschrieben und ihm zukommen lassen. Die Kündigung beider Abos habe ich auch gleich an den Service geschickt bzw. online vollzogen. Doppelt gemoppelt hält besser. Antwort erwarte ich selbstverständlich keine.

Verlage müssen Änderungen des Abonnement-Preises ja 6 Wochen vorher bekannt geben, soweit ich weiß. Davon war aber in den letzten 3 Ausgaben des com!-Heftes nichts zu lesen. Im Gegenteil: noch in der letzten Ausgabe konnte man für 18,80 € fürs erste Jahr ein Abo ohne DVD-Beilage erwerben! Also theoretisch bis vor ein paar Tagen. Humor haben sie ja!

Im Abo-Bereich meines com!-Accounts fand ich mein Haupt-Abo erstaunlicherweise bereits als gekündigt vor. Da stand sinngemäß, dass die Kündigung automatisch wegen Formatänderung erfolgt sei. Allerdings wurde als Abo-Ende der 31. Juli 2015 angegeben. Das findet nun freilich nicht statt, soweit kommts noch. Jetzt steht da als Lieferende bereits der 31.07.2014. Meine Kündigung scheint also anerkannt worden zu sein.

Aber welcher Zeitschrift wende ich mich nun zu? Oder ist es überhaupt noch zeitgemäß, eine Computerzeitung zu abonnieren? Soll ich mir nicht lieber mehrmals im Jahr ein PDF herunterladen, wie man es beispielsweise bei der Chip machen kann, und die lese ich dann auf meinem Tablet? Brauche ich überhaupt noch eine Zeitschrift in Zeiten des Internets?

Fragen über Fragen… Aber wie immer, vielen Dank fürs Gespräch!

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11 Responses to com! Das Computer-Magazin heißt jetzt com! professional und wechselt die Zielgruppe

  1. MiniMax says:

    Ja, so ging es mir auch (abgesehen davon, daß ich kein Abonennt war). Daß ausgerehnet einer der weniger marktschreierischen PC-Zeitschriften so kläglich untergegangen ist, ist betrüblich. Auf die Fragen des Autors, „welcher Zeitschrift wende ich mich nun zu? Oder ist es überhaupt noch zeitgemäß, eine Computerzeitung zu abonnieren?“ habe ich im Rückblick gesehen, wohl wie die meisten anderen potentiellen (respektive ehemaligen) Leser schon die Antwort gegeben, daß es „nur“ mit Internet-Artikeln und Foren ja auch geht.
    Ein paar ausgerissene Artikel leigen immer noch im Schreibtisch-Fach. Da wird jetzt wohl nichts mehr dazukommen. Schade auch …

  2. Hallo MiniMax, danke für Deinen Kommentar!

    Ich wurde inzwischen angeschrieben und auf meine Kündigung angesprochen. Ob es wohl daran läge, dass sie das Layout und die Zielgruppe geändert hätten? Wenn ich an der Form von Computerinformationen weiterhin interessiert sei, könne ich doch die PC-Welt abonnieren.

    Daraufhin habe ich mir mal die Abo-Gebühren bei der PC-Welt angesehen und festgestellt, dass man da auch bei rund 80 Euro landet.

    Die com! war wohl einfach zu billig angelegt. Ausgerechnet die hatte aber ein Format, das mir von allen Zeitschriften am angenehmsten war. Tja, da haben wir dann wohl alle Pech gehabt…

    Robert

  3. Karl Judegi says:

    Ich war genau so überrascht wie Du, als ich die com! in der neuen Ausrichtung bekam.
    Mich hat beeindruckt, dass die Redaktion es geschafft hat, ein Heft voller Themen zu präsentieren, die mich nicht interessierten. Das neue Konzept hat mit dem alten aber auch nichts zu tun.
    Das war ungefähr so, als hätte man eine Zeitschrift über Katzen abonniert und bekäme von einem Monat auf den anderen eine über Modelleisenbahnen geliefert.
    Die com! (bzw. ihre Vorgänger) habe ich mindestens seit 15 Jahren im Abo bezogen, zum Schluss als DVD-Ausgabe, aber das wurde natürlich sofort gekündigt.
    Du fragst Dich ja auch, ob die Umstellung eine Art Panikreaktion angesichts einer sinkenden Auflage war, das beschreibt es wohl recht gut.
    Die letzte Lieferung meines Abos soll am 30.09.2014 erfolgen. Es würde mich nicht wundern, wenn das Erscheinen schon vorher eingestellt wird.

    • Hallo Karl, schöner Kommentar!

      Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass der Verlag in ausreichend kurzer Zeit genug neue Klientel wird gewinnen können, um das Blatt zu retten. Aber das werden wir in Kürze wissen, denn lange kann sich das ja nicht mehr hinziehen.

      So wie Du und ich haben bestimmt sehr viele reagiert und gleich ihr Abo gekündigt. Für die von der com!-Redaktion angepriesene PC-Welt konnte ich mich bisher nicht erwärmen.

  4. Ingo Meyer says:

    ich hatte mich nun etschlossen com zu abbonieren, da sie vomm meinen Bedürfnissen entsprach. die anderen computer abbos habe ich schon gekündigt. um so verblüfter war ich. dass ich die Zeitung im Handel nicht mehr gefunden habe. Danke für diesen Beitrag.

  5. elbitsch says:

    Das skandalöse Vorgehen, die einzig noch verbliebene PC-Zeitschrift durch ein inhalts- und sinnloses Magazin für eine Zielgruppe, die längst anderweitig bedient ist zu ersetzen,wird definitiv nicht zum gewünschten Erfolg führen. Mein Abo habe ich sofort gekündigt. Die neue com! Professional liegt wie Blei in den Verkaufsstellen. Die Vermutung, daß es sich um eine Panikreaktion gehandelt hat, ist vermutlich zutreffend. Die PC-Welt ist kein Ersatz. Zu werbelastig, zu oberflächlich und auch zu wenig auf den PC fixiert. Trotz der App-Hype will ich eine PC-Zeitschrift. Wenn es die nicht mehr gibt – dann eben gar keine mehr.

  6. G. M. Danner says:

    Hallo Herr Herlet,

    auf der Suche nach Möglichkeiten einer außerordentlichen Kündigung bin ich auf Ihren Blog gestoßen. Nach dem zweiten Heft nach ‚Änderung der Zielgruppe‘ habe ich dem Leitenden Redakteur eine Email mit fast identischem Inhalt geschickt. Eine Reaktion habe ich erwartet, aber keine bekommen; es gab wohl zu viele enttäuschte Abonnenten. Ich hoffe, dass der Verlag bei meiner Kündigung keine Schwierigkeiten macht.

    • Hallo Herr Danner,

      meine Kündigung wurde anstandslos anerkannt. Es würde mich also wundern, wenn es bei Ihnen anders wäre. Möglicherweise wurde auch Ihr Abo automatisch auf Kündigungsstatus gesetzt wegen „Formatänderung“, so wie es bei mir war. Sollten Sie das neue Format nicht zwischenzeitlich durch irgendeine schriftliche Reaktion anerkannt bzw. Ihr Abo bestätigt haben, kann ich mir nicht vorstellen, dass sich der Verlag groß ziert. Die automatische Statusänderung seitens des Verlags bei meinem Abo weist darauf hin, dass es jedem zusteht, außerordentlich zu kündigen. Schließlich wird der Abovertrag durch den Verlag nicht länger eingehalten. Erstens ändert sich der Inhalt, zweitens der Preis. Beides sollte für eine außerordentliche Kündigung auf jeden Fall ausreichen.

  7. Eduard Beier says:

    Hallo Herr Herlet und alle bisherigen Kommentatoren,

    kann mich nur den bisherigen Kommentaren anschließen. Bei meiner Kündigung gab es keinerlei Probleme. Man hat mir, wie allen anderen wohl auch, ein Dreimonatsangebot eines PC Welt Abos für EUR 4,99 angeboten. Das habe ich angenommen, die erste Ausgabe kam heute an. Auch da scheint wohl etwas im Umbruch zu sein, denn bei der aktuellen Ausgabe (inkl. 2 DVDs) kamen mir einige Sachen, wie in der alten com! vertraut vor. Mir fehlen allerdings Vergleiche zu früheren PC Welt Ausgaben. Gibt es denn sonst Alternativen, die der guten alten com! am ähnlichsten sind? Ich glaube ja, dass man mit com! professional ganz bewusst eine Kündigungswelle provoziert hat, dies hat möglicherweise juristische oder sonstige Gründe. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass das neue Format viele Anhänger haben wird.

  8. Ronald says:

    Ich habe diese Seite leider erst heute in den Weiten des Internets gefunden, möchte mich aber trotzdem noch kurz dazu äußern.
    Ich hatte vorher jahrelang ein Abo von PC Professional, diese verschwand dann sang und klanglos (2007?).
    Danach las ich das COM Magazin, zum Anfang sporadisch, später monatlich. Die Vorschau für das nächste Heft fand ich bezüglich der gewählten Themen sehr interessant, also wieder pünktlich zum Kiosk um mir mein Exemplar zu sichern. Nichts da….
    Als ich bei der Verkäuferin nachfragte, erfuhr ich, das es dieses Magazin nicht mehr gibt. Das zweite Printmedium, was mir gefiel, dann auch weg…. grr.
    Habe dazu sporadisch zu PCGames Hardware gegriffen, aber fast jede Ausgabe nur Berichte über Overclocking und Wasserkühlung ist nun wirklich nicht mein Ding.
    Schön der in COM (und PC Pro) waren die knackig, kurzen Hardwarevorstellungen und speziell in der COM die Anleitung für z.B. eigenen PXE Server und USB Windows Stick. Man(n), was habe ich da für Zeit verbracht. Und heute? Wer von den jetzigen Computerusern liest denn noch Zeitschriften. Außer Facebook und Whatsapp kennen die doch nichts mehr. Schade um den Werteverfall.

    • Hallo Ronald,

      freue mich über Deinen Kommentar!
      Ich habe inzwischen gar keine Computerzeitschrift mehr. Hole mir meine Infos jetzt ab und an über Youtube-Videos, die dort von z. B. PCWelt gepostet werden. Bei heise.de schau ich auch gelegentlich rein. Aber irgendwie ist das alles nicht recht zufriedenstellend. Die Zeiten ändern sich halt. Der PC-Absatz geht auch allmählich zurück.

      Wahrscheinlich wird es in 10 Jahren nur noch Tablet- und Notebook-Lektüre geben, weil niemand mehr Bock zum Experimentieren mit Hardware hat 😉

      Dann werde ich der Letzte mit einem PC sein! Hihi.

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