MPC Touch Track auf Groove Agent übertragen per MIDI Export

Bildausschnitt MPC Software MIDI Export ButtonBekannt für meine Gedankensprünge geht es diesmal einfach so aus dem Nichts heraus um die MPC Touch. Es hat eine Zeit gedauert, bis ich sie in meinen normalen Arbeitsablauf zufriedenstellend integrieren konnte. Ich gehöre zu den Usern, die zwischen Hardware und Software hin- und herpendeln. Auch wenn die Maus unmusikalisch und die MPC Touch enorm kreativ ist, kann ich im Prozess der Musikproduktion nicht auf die herkömmliche Computerarbeit verzichten. Die MPC Software genügt gerade im MIDI-Editing meinen Vorstellungen nicht so wirklich.

Szenario: Ein in der MPC Touch geladener Sample-Loop (nicht wie oft zu lesen „die“ Loop, sondern Loop: Substantiv, maskulin, siehe Duden) wird im Sample-Editor der Hardware in Einzelteile zerlegt (sog. Slices, Bild links). Slices in der MPCDann werden diese als Einzelsamples abgespeichert (im MPC Sample-Editor SHIFT+CONVERT, dort New program with new samples, Haken bei Crop samples, Create new program und Create events, Bild rechts) mit dem Ziel, in einem anderen Sampler-Plugin wiedergegeben zu werden (z. B. Halion, Groove Agent und so weiter).
Wieso sollte man das wollen? MPC Convert AbfragefensterNun, so bequem das Zerlegen eines Samples in der MPC Touch vonstatten geht, so rudimentär mutet der MIDI-Editor an, wenn man die MPC als Plugin in einer DAW betreiben will. Vielleicht möchte man auch die Pitching-Möglichkeiten eines Sampler-Plugins oder andere Fähigkeiten nutzen, die die MPC-Software nicht bietet. Vielleicht möchte man mit jemandem zusammenarbeiten, der keine MPC Touch hat, aber trotzdem die Samples einzeln über ein alternatives Plugin spielen können soll.

Event-Treppe in der MPC SoftwareNach dem Konvertieren in Einzelsamples zeigt die MPC die Events an (schmale rote Balken in Treppenform, Bild links). So kennt man das aus diversen DAWs, wenn man schon mal einen Drumloop mit der Maus zerlegt hat. Das unterste linke Event stellt normalerweise eine tiefe Note auf der Klaviatur dar (z. B. C1), das zweite die nächsthöhere (also C#1) und so weiter. Tatsächlich wird auch in der MPC bei jedem nächsten Balken das nächste Pad ausgelöst. Es scheint sich also genauso zu verhalten, wie beispielsweise ein in Cubase zerlegter Drumloop, dessen Einzelsamples man den Pads des Groove Agent (bzw. Groove Agent SE) zugewiesen hat. Auch da hat man einen MIDI-Part (sofern man im MIDI-Editor und nicht im Drum-Editor arbeitet), der mittels aufsteigender Event-Treppe die Pads des Groove Agent der Reihe nach auslöst.

Nach dem Zerlegen des Loops in der MPC in oben beschriebener Weise meines Szenarios befinden sich die Einzelsamples in dem Ordner, unter dem man das Projekt gespeichert hat:
(c:\ProgramData\Akai\MPC\<Projektname>\<Verzeichnisname>_[ProjectData]

Die Samples tragen den gleichen Namen wie der Drumloop, aus dem sie extrahiert wurden, gefolgt von Sl (Kürzel für Slice), einem Bindestrich und der aufsteigenden Nummer (sowas wie zum Beispiel JamBox0906 Sl-01.wav). Man kann sie bequem in einem Dateifenster markieren, mit der Maus herausziehen, mit Alt-Tab (ich bin auf Windows unterwegs) ins Cubase springen und dort dann über dem ersten Pad vom Groove Agent (auch SE) die fortlaufende Einfügevariante wählen. Nun sind die Samples der Reihe nach den Groove-Agent-Pads zugewiesen.

MPC Touch MIDI Export bringt MIDI-Events durcheinander

Events in Cubase nach MIDI-ExportSeit der Version 1.9.3 der MPC-Software gibt es die Option, Audio- oder MIDI aus dem MPC-Plugin (oder der Standalone-Version) heraus und in die Musiksoftware hinein zu ziehen. Dort wird dann ein Part erzeugt, der entweder das generierte Audiomaterial oder eben die generierten MIDI-Events – also oben angesprochene Event-„Treppe“ – enthält. Exportiert man nun auf diese Weise die MIDI-Daten in einen Part, wird man jedoch bemerken, dass dieser alles andere als die erwartete Treppenform enthält. Vielmehr sehen die Events willkürlich durcheinandergewirbelt aus (Bild links zeigt die Darstellung in Cubase nach dem MIDI-Export). Schickt man sie an den Groove Agent, kommt entsprechend nur Müll heraus statt dem erwarteten sauberen Drumloop. Was stimmt da nicht?

Es ist offensichtlich, dass die MPC intern ihre Pads den Noten nicht chronologisch zuweist, sondern in einer festen Struktur. Pad 1 stellt nach dem MIDI-Export z. B. die Note C#1 dar, Pad 2 entspricht C1, Pad 3 F#1, Pad 4 Bb4 bzw. A#4, Pad 5 wiederum E1, und so geht es munter weiter.

Als schnellste Lösung für dieses Problem bleibt einem nichts anderes übrig, als geschwind die MIDI-Events des exportierten Parts in die richtige Reihenfolge zu bringen. In Cubase geht das einfach, weil man mit den Cursortasten der Tastatur der Reihe nach die Events anspringen und ganz schnell an die richtige Notenposition verschieben kann. In anderen DAWs dürfte es ebenso simpel sein.

Bei einem Drumloop ist das noch machbar, weil hier die Pads hintereinander aufsteigend ausgelöst werden. Wie sieht es aber aus, wenn ich in der MPC aus den fortlaufenden Samples einen komplexen Rhythmus programmiert habe, den ich nun auf den Groove Agent übertragen will? Da geht händisch nichts mehr.

In dem Fall muss man sich einmalig die Arbeit machen und für den Groove Agent (Abk. GA) ein sogenanntes Hardware-Mapping vornehmen. Wie und ob das mit anderen Sample-Plugins geht, würde hier den Rahmen sprengen.

Hardware-Mapping bedeutet, man gibt dem GA bekannt, welches Pad er bei welcher MIDI-Note auslösen soll. C1 ist dann nicht mehr Pad 1 in Bank 3 zugewiesen, wie es die Standard-Voreinstellung vorgibt, sondern steuert das gleiche Pad an, das die MPC intern bei C1 ansteuert, nämlich Pad 2 der Bank 1.

Bildausschnitt Plugin Groove Agent Hardware MappingDa man das Rad ja nicht ständig neu erfinden muss, habe ich die Mapping-Datei hier als zip-Datei hinterlegt. Man kopiert sich die darin befindliche Datei MPC Midi Export.halpreset einfach ins Standardverzeichnis seines Groove Agent/SE und hat dann nach einem MIDI-Export aus der MPC-Software sofort die identische Belegung für den GA parat. Das GA-Standardverzeichnis findet man am schnellsten, indem man unterhalb der Pads rechts auf das Symbol Use Hardware Controller Mapping klickt (das mit dem Drumstick, links neben dem Pfeil). Dadurch wird das Mapping aktiv geschaltet und man kann nun auf das Disketten-Symbol klicken, als würde man das aktuelle Mapping speichern wollen. Es öffnet sich ein Dateifenster mit dem Verzeichnis, in das der GA das Mapping-Preset speichern würde. Dort hinein kopiert man die halpreset-Datei. Der Pfad (unter Windows) sollte lauten:

c:\Users\<Username>\Documents\Steinberg\Groove Agent Common\GA Sub Presets\MIDI\Pad Trigger Notes\
(<Username> ist der Name, unter dem man in Windows angemeldet ist)

Klickt man dann auf das Mapping-Pfeilchen, steht MPC Midi Export als Preset zur Verfügung. Bei mir funktioniert das sowohl für den Groove Agent 4 als auch den Groove Agent SE 4.

Und wie immer: Vielen Dank fürs Gespräch 🙂

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